Drucken
PDF
07
Dezember
2011

Evidenzbasierung der kardiologischen Rehabilitation

Evidenzbasierung der kardiologischen Rehabilitation und Beitrag der

DRV-Therapiestandards aus klinischer Sicht

 

Die Ziele der kardiovaskulären Rehabilitation beinhalten neben der Optimierung der Sekundärprävention

zur Reduktion von Morbidität und Mortalität auch die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit

und der Lebensqualität sowie die Wiedereingliederung in das soziale und Erwerbsleben.

Dazu sind multimodale InteNentionen auf somatischer, psychologischer, edukativer sowie der sozialen

Ebene durch ein interdisziplinäres Team erforderlich.

In 4 Kohortenstudien aus Deulschland konnte die kardiologische Anschlussheilbehandlung an 10.758

Patienten mit akutem Myokardinfarkt und nach Bypass-Operation die Gesamtmortalität, die Reinfarktrate

und die Hospitalisierung im Verlauf von 1-2 Jahren signifikant reduzieren. Diese Ereignisreduktion

gelang zusätzlich zu einer interventionellen Akuttherapie und einer Evidenz basierten medF

kamentösen Sekundärprävention. Erstmals wurde 2004 von Baessler et al. (n=1.177) gezeigt, dass 3

Wochen AHB zu einer signifikanten Reduktion der Reinfarktrate im Verlauf von 2 Jahren führen (RR

0,59 (95% Cl: 0,40 - 0,93) p<0,02). lm Rahmen des ACOS Registers (n=4.547\ konnte die Gesamtmortalität

durch die AHB für Patienten mit STEMI (0,41 (0,28 - 0,60) p<0,001) und NSTEMI (0,53

(0,38 - 0,76) p<0,001) signifikant gesenkt werden. Diese Effekte waren auch in den Subgruppen Alter

> 70 Jahre (0,44 (0,27 - 0,71) p<0,001 ), mit Typ 2 Diabetes mellitus (0,36 (0,21 - 0,64) p<0,001) und

mit LV-EF <4oo/o (0,27 (0,15 - 0,52) p<0,001) sowie bei Patienten mit NSTEMI, die erst später als 48

h nach Symptombeginn revaskularisiert worden waren (0,39 (0,22 - 0,671 p<0,001 ), nachweisbar. In

einer weiteren Kohortenstudie zur kardiologischen AHB bei 1.474 Patienten mit Koronarer Herzkrankheit

lag die number needed to treat (NNT) zur Verhinderung eines primären kombinierten Endpunkes

(Mortalität, Myokardinfarkt, Revaskularisation, Hospitalisation) im Verlauf von 12 Monaten bei '17

(ARR 0,061), die NNT zur Verhinderung eines Myokardinfarktes lag bei 49 (ARR 0,020). In einer ganz

aktuellen Studie (n=3.560) wurden Patienten über 70 Jahre sowie mit NSTEMI signifikant seltener in

eine AHB verwiesen. Wie bereits in den Voruntersuchungen konnte auch hier die Gesamtmortalität

(0,29 (0,19-0,46) p<0,0001) signifikant gesenkt werden. Diese Effekte waren auch bei Patienten >70

Jahre sowie nach STEMI und NSTEMI nachweisbar. Daher ist es nicht gerechtfertigt, älteren und

NSTEMI-Patienten eine kardiologische AHB vozuenthalten.

Zusammenfassend sollte die kardiologische Rehabilitation bei Patienten mit KHK integraler Bestandteil

jeder Versorgung sein, die sich am dauerhaften Therapieerfolg orienliert. Die individuelle Ausrichtung

der rehabilitativen Maßnahmen auf spezielle Patientengruppen und Indikationen könnte den Erfolg

der Intervention weiter steigern. Wünschenswert wäre die Evidenz der kardiologischen Rehabilitation

in Deutschland auch durch einen RCT abzusichern.

 

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. Bernhard Schwaab

Klinik Höhenried gGmbH

82347 Bernried

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

6.Reha-symposiumdesNRFB,VonderRehafoEchungzurReha-PExis',10.11.November 2011,KlinilHaheni€d,Bemried

Autor: Gunnar Thome